Offener Brief an Petra Federau

Sehr geehrte Frau Federau,

nach der Oberbürgermeisterwahl vom 12. April 2026 möchte ich nun offen aussprechen, was mich schon länger beschäftigt.

Ich habe bewusst bis nach der Wahl geschwiegen, weil ich nicht den Eindruck erwecken wollte, ich wolle Ihrer Kandidatur im Wahlkampf von innen heraus schaden. Nun ist die Wahl vorbei, und deshalb halte ich es für richtig, meine Kritik öffentlich zu machen.

Ich bin derzeit noch Stellvertreter im Behindertenbeirat sowie im Ausschuss für Umwelt, Gefahrenabwehr und Ordnung. Diese Stellvertreterposten werde ich niederlegen.

Nicht, weil daran besonders viel hängt, sondern weil ich für mich festgestellt habe, dass ich diese Form der politischen Zusammenarbeit nicht weiter mittragen möchte.

Ich habe mich politisch nicht eingebracht, um zu schweigen, zu nicken und unbequeme Dinge für mich zu behalten, sondern weil ich davon ausging, dass politische Arbeit auch bedeutet, Fragen stellen zu dürfen. Gerade dann, wenn es um Glaubwürdigkeit, Aufrichtigkeit und Verantwortung geht.

Genau an diesem Punkt habe ich in Ihrem Umfeld etwas anderes erlebt.

Ich habe weder beleidigt noch verleumdet noch irgendwen persönlich herabgewürdigt. Ich habe Fragen gestellt und Kritik geäußert. Dafür wurde ich aus der offiziellen WhatsApp Gruppe der AfD Schwerin entfernt. Für mich war das kein belangloser Vorgang, sondern ein deutliches Zeichen dafür, wie mit Kritik umgegangen wird, wenn sie offenbar unerwünscht ist.

Hinzu kam der Vorwurf, ich hätte mich im Wahlkampf nicht für Sie engagiert. Ich frage mich bis heute, warum ich das hätte tun sollen. Warum sollte ich mich öffentlich für eine Person einsetzen, wenn ich gerade bei ihr den Eindruck gewonnen habe, dass sie zu entscheidenden Punkten ihrer eigenen Vergangenheit nicht offen und ehrlich steht.

Genau das ist der Kern meines Problems.

Sie wollten Oberbürgermeisterin von Schwerin werden. Wer ein solches Amt anstrebt, muss sich an einem einfachen Maßstab messen lassen: an Klarheit gegenüber den Bürgern, an persönlicher Glaubwürdigkeit und an der Bereitschaft, auch unangenehme Fragen zur eigenen Biografie offen zu beantworten.

Ihre frühere Tätigkeit im Umfeld eines Escort Services und die damaligen Verbindungen in den arabischen Raum sind seit Jahren öffentlich Thema. Entscheidend ist für mich dabei nicht nur die Vergangenheit selbst, sondern vor allem Ihr Umgang damit. Denn eine Vergangenheit zu haben, ist das eine. Sich ihr nicht offen zu stellen, ist das andere.

Wer ein öffentliches Spitzenamt anstrebt, darf nicht erwarten, dass kritische Nachfragen einfach als lästig abgetan werden. Wer Vertrauen beansprucht, muss Antworten geben. Wer politische Verantwortung übernehmen will, muss mehr zeigen als Ausweichen, Verärgerung oder Schweigen.

Ich frage mich daher:

Wie kann man ein solches Amt anstreben, wenn man bei zentralen Fragen zur eigenen Vergangenheit nicht klar und offen Stellung bezieht.

Wie sollen Mitglieder oder Unterstützer glaubwürdig für Sie eintreten, wenn auf berechtigte Nachfragen keine echte Klarheit folgt.

Und wie soll Vertrauen entstehen, wenn Kritik im eigenen Umfeld eher entfernt als ausgehalten wird.

Für mich berührt das den Kern dessen, was politische Verantwortung ausmacht. Nicht Perfektion. Nicht Fehlerlosigkeit. Sondern Aufrichtigkeit.

Ich hätte mir gewünscht, dass Sie offen sagen, was war, wie Sie heute dazu stehen und warum Bürger Ihnen trotzdem vertrauen sollen. Das wäre für mich ein Zeichen von Stärke gewesen. Stattdessen ist bei mir der Eindruck entstanden, dass kritische Fragen eher abgewehrt als beantwortet werden.

Ich ziehe daraus für mich die Konsequenz. Ich werde meine Stellvertreterposten niederlegen und mich aus diesem Kreisverband zurückziehen.

Meine Kritik richtet sich dabei nicht gegen jedes einzelne Mitglied, sondern gegen einen Stil, den ich in Ihrem Umfeld erlebt habe und den ich nicht länger beschönigen will: Ausweichen statt Klarheit, Ausschluss statt Auseinandersetzung und Empfindlichkeit dort, wo Kritik eigentlich ausgehalten werden müsste.

Ich veröffentliche diesen Brief, weil ich finde, dass solche Erfahrungen nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden sollten. Vielleicht wird er nichts verändern. Aber vielleicht regt er wenigstens den einen oder anderen dazu an, genauer hinzusehen.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Zobel

Hinterlasse einen Kommentar