Sehr geehrte Frau Federau,
nach Ihrem Ausscheiden aus der Oberbürgermeisterwahl in Schwerin möchte ich eine Frage öffentlich ansprechen, die sich für mich aus den vergangenen Tagen ergeben hat.
Sie waren Kandidatin Ihrer Partei und sind zugleich Fraktionsvorsitzende in der Schweriner Stadtvertretung. Gerade deshalb hätte ich erwartet, dass nach dem Wahlausgang eine klare politische Einordnung der neuen Lage erfolgt. Stattdessen nehme ich vor allem Zurückhaltung wahr.
Mir geht es dabei nicht um parteitaktische Forderungen, sondern um eine grundsätzliche Frage politischer Verantwortung. Welche Orientierung gibt eine politische Kraft ihren eigenen Mitgliedern, Unterstützern und Wählern, wenn sie selbst nicht mehr in der Stichwahl vertreten ist, aber sehr wohl eine Haltung zu den verbleibenden Optionen haben dürfte?
Aus meiner Sicht ist das keine Nebensächlichkeit. Politik erschöpft sich nicht im eigenen Antreten. Sie zeigt sich auch darin, wie man sich verhält, wenn man selbst nicht mehr auf dem Stimmzettel steht. Gerade dann wäre für mich Klarheit hilfreich gewesen.
Ich halte es für legitim, unterschiedliche politische Lager voneinander abzugrenzen. Ebenso legitim ist aber die Frage, ob in einer konkreten kommunalpolitischen Lage nicht dennoch eine erkennbare Einordnung erwartet werden kann. Nicht als Anbiederung, sondern als Ausdruck politischer Verantwortung.
Mich beschäftigt deshalb die schlichte Frage, warum von Ihrer Seite und aus Ihrem Umfeld keine deutlichere politische Orientierung zur Stichwahl erkennbar ist. Wenn man für sich beansprucht, für die Interessen der Bürger einzutreten, dann erscheint es mir nachvollziehbar, in einer solchen Situation auch öffentlich einzuordnen, welche Entwicklung man für Schwerin für richtig oder falsch hält.
Ich hätte mir an dieser Stelle mehr Klarheit gewünscht.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Zobel
