Jeder ist seines Glückes Schmied?

Man sagt, jeder sei seines Glückes Schmied. Als wäre in jedem Kopf ein Hammer, der nur darauf wartet, endlich eingesetzt zu werden. Aber so einfach ist es nicht. Manche haben keinen Hammer. Manche tragen nur etwas Zartes in sich, etwas, das nicht zum Schlagen taugt. Klitzekleine Porzellanlöffel vielleicht, mit denen sie vorsichtig gegen das Leben klopfen, in der Hoffnung, es möge sich fügen. Doch das tut es selten. Und wenn sie zu fest aufsetzen, zerbricht nicht das, worauf sie schlagen, sondern das Werkzeug selbst, und dann geht gar nichts mehr.

Auch die Ambosse sind nicht gleich. Worauf einer trifft, entscheidet oft mehr als das, was er mitbringt. Der eine stößt auf festes, tragendes Metall, der andere auf etwas, das nachgibt, reißt oder sich gar nicht erst formen lässt. Diese Grundlage für das, was später Glück genannt wird, beginnt nicht bei einem selbst. Dafür kann man nichts. Und wenn man das bedenkt, hebt sich der Satz vom Schmied des eigenen Glücks beinahe auf.

Und doch bleibt etwas davon übrig. Vielleicht nicht als Wahrheit, sondern als Haltung. Man kann sich dem Leben fügen, kann lernen, das Gegebene hinzunehmen, es zu erwärmen, wenn es sich erwärmen lässt, und zu ertragen, wenn es kalt bleibt. Man kann warten, bis irgendwo ein Funke entsteht, und ihn schützen, so gut es geht.

Und wenn nichts zu brennen beginnt, wenn kein Feuer da ist, das das Eigene formbar macht, dann bleibt immer noch eine letzte, stumpfe Bewegung. Dann schmiedet man nicht mehr. Dann kämpft man auch nicht mit einem Schwert. Man hebt einfach etwas Schweres auf und wirft es in die Welt, ohne große Hoffnung, aber auch ohne ganz aufzugeben.

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