Bandwurm

Meine Katze hat einen Bandwurm ausgekotzt und ich päppele ihn momentan wieder auf. So ein schönes Tier. Ganz weiße Haut, und ein paar Organe kann man hindurchscheinen sehen. Nun weiß ich nicht, was so ein Wurm für Organe hat, aber das will ich auch gar nicht wissen. Ich denke, wenn ich die lateinischen Bezeichnungen kennen würde, würden die Beobachtungen ihren Zauber verlieren.

Die Katze habe ich vorsorglich weit im Wald ausgesetzt. Ansonsten hätte sie ihn wohl kaputt gekratzt, und ob Bandwürmer wie Regenwürmer einfach zu mehreren Würmern werden, möchte ich nicht ausprobieren. Im Keller hatte ich noch einen alten Hamsterkäfig. In der Glaswolle liegt jetzt der Wurm und bewegt sich manchmal total süß. Er merkt immer, wenn ich mit irgendeinem Hühnchen oder anderem Kadaver komme. Dann rekelt er sich den Stäben entgegen, schlüpft heraus, schnüffelt oder guckt oder wie auch immer und taucht in das tote Tier hinein. Nach einer Stunde wird er wieder in seinen Käfig geschüttelt. Lockerer geht es nicht. Die Katze war ständig laut, hat Tapeten und Polstermöbel zerkratzt, und der Wurm ist einfach Wurm.

Was mir Sorgen bereitet, ist, dass er nicht kotet oder uriniert. Der Käfigboden ist immer sauber. Es kann natürlich sein, dass so ein Wurm ein natürliches Perpedo Mobile ist, oder wie das heißt. Dann wird er alles im Kreislauf in sich haben und meine Hühnchen gar nicht benötigen. Und die Katze hat der Wurm nicht von innen langsam aufgegessen, sondern er hat sich mit ihr umhüllt, weil er ja so zart ist.

Oh, dann wird die Glaswolle sicher nicht das Richtige sein. Friedhelm, so nenne ich ihn nun, braucht etwas Ordentliches. Irgendwas Warmes, schön Muckeliges. So etwas wie die Katze, aber ohne Rauskotzen. Es müsste ein Tier sein, das ihn gerne in sich trägt. Da wird sich doch eins finden lassen. Vielleicht eine Schlange. Das ist ja fast dasselbe.

So eine Boa Konstrukteur. Das wäre doch was für Friedhelm. Wobei ich mir dann eine Boa kaufen müsste und Friedhelm nicht mehr beobachten könnte.

Oh, wieso nehme ich ihn nicht in mich mit hinein? So unähnlich bin ich einer Katze sicher nicht. Rein vom Inneren her gesehen. Und ich könnte ihn dann auch in meinen Eingeweiden spüren. Das ist ja noch besser als beobachten.

Dann nehme ich ihn mal gleich …

Wo ist er? Wo ist Friedhelm? Eben war er doch noch im Käfig! Frieeedddhelm?

Vielleicht ist er in eine vorbeihuschende Maus gefahren. Wobei so schnell war er ja nie. Ich werde mich jetzt einfach mit meinem Kopf und offenem Mund in den Käfig legen und warten. Oder habe ich ihn schon geschluckt gehabt? Irgendwie zieht es auch so merkwürdig bei der Leber. Oh Gott, wo kommt die Katze her? Ich habe dich doch rausgeworfen. Oder etwa nicht? Aua, aua. Friedhelm, hör auf zu zwicken.

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